Ganz nah dran: Volontär Johann berichtet aus Karamoja

Mit einer Matratze in der Hand stehen Julian und ich (Johann) vor einem Stapel neuer Kindermatratzen und warten. Durch das Fenster sehen wir schon ein paar Kinder hüpfend auf die Kirche zulaufen, in der wir uns befinden. Ein kleiner Junge kommt durch die Tür. Als er uns entdeckt, rennt er auf uns zu und nimmt mit einem breiten Grinsen ,,seine“ Matratze entgegen. Bisher hat er immer nur in einer kleinen Hütte mit Strohdach auf dem nackten Erdboden geschlafen. Es wird die erste Nacht seines Lebens sein, in der er auf einer weichen Matratze schläft.


Dieses Erlebnis hat mich sehr berührt und steht für mich symbolisch für die Zeit in Karamoja. Gemeinsam mit Julian, der nach gut 2 Monaten durch Simeon abgelöst wurde, durfte ich für 3 Monate in Karamoja, einer Wüstengegend im Norden Ugandas, dienen.

 

 Die Kinder hier kommen aus ärmlichen Verhältnissen. Ihre Hütten befinden sich in kleinen Dörfern, in denen es keinen Strom gibt und man das Wasser noch vom Brunnen holen muss. Während die Erwachsenen oft nur mit einem großen Tuch bekleidet sind, tragen die Kinder T-Shirts und Hosen, die oft mehr aus Löchern als aus Stoff bestehen. Kaum ein Kind besitzt Schuhe, dafür haben sie oft kleine schwarze Löcher in den Füßen, die ihnen Ratten da hineingefressen haben, während die sie schliefen. Die Karamojongs sind ein Nomadenvolk und mit Erreichen des sechsten Lebensjahres werden die Kinder oft als Hirten eingesetzt. Anstatt zur Schule zu gehen, ziehen sie mit ihren Tieren umher, auf der Suche nach Futter. Essen gibt es in den Dörfern sehr wenig, die Kinder gehen meistens hungrig ins Bett. Um den Hunger zu stillen, trinken die Menschen Alkohol, auch die Kinder. Naturreligionen mit finsteren Riten bestimmen das Leben der Karamojongs.


Das klingt jetzt sehr hoffnungslos, ABER:
Wir Volontäre durften erleben, wie Gott das Leben dieser Kinder verändert. Im Jesus-Agape-Center bekommen sie das, was ihnen in ihren Dörfern fehlt: die Liebe Gottes, Nahrung und Bildung.


Am Morgen und am Abend finden Andachten statt, bei denen die Kinder mit Begeisterung Lobpreis machen, dabei ausgelassen singen, tanzen und springen, und bei denen sie die biblischen Geschichten hören. Die Kinder haben eine große Liebe zu Jesus. Als wir ihnen in der Passionszeit von Jesu Tod erzählten, kullerten vielen Kindern dicke Tränen über ihr Gesicht. Die Freude über seine Auferstehung, von der wir dann am nächsten Morgen erzählten, war dann umso größer. Und sie sind Gott so dankbar für seine Versorgung.


In der Schule müssen viele Kinder erst Englisch lernen, weil in den Dörfern nur ihre Stammessprache gesprochen wird. Mit 3 Kindern, die Schwierigkeiten beim Lernen in der Klasse haben, konnte ich einen speziellen Unterricht machen, der auf spielerischem Lernen und Entdecken basierte und die Kinder so gezielt in ihrer Entwicklung fördern. Es hat mich gefreut zu sehen, wie sich die Kinder in diesen sieben Wochen entwickelt haben. Während sie in der ersten Woche oft nur still vor mir saßen und Schwierigkeiten mit den Lerninhalten, z.B. dem Zählen von 1-10 oder auch einfachen Spielen wie Puzzeln, hatten, waren sie in meiner letzten Woche viel selbstbewusster, kennen die Zahlen 1-10, einige Buchstaben und verstehen Spiele und Aufgaben schneller.


Während ich in der Schule aktiv war, haben Julian und Simeon ihre handwerklichen Fähigkeiten eingebracht und sich um alles was so zu reparieren und aufzubauen, z.B. die 250 Kinderbetten für das neue Dormetory (Schlafsaal), gekümmert.


Gott liebt die Karamojongs. Und er gebraucht diese Kinder, um diese Region zu verändern. Schon jetzt tragen sie Jesus in ihre Dörfer hinein, singen ihm Lobpreis und erzählen ihren Familien von ihm.


Gottes Liebe und Kraft in Karamoja für 3 Monate erleben zu dürfen war wunderbar und ich bin gespannt, was er noch mit dieser Region vorhat.




 

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